Gemeinde schießt 60 000 Euro zu

Mannheimer Morgen, Text und Bild Hannelore Schäfer

„Das Edinger Schlössel ist ein Objekt, in dem es immer etwas zu tun gibt, das ist wie in jedem anderen alten Haus auch.“ Diese Feststellung traf der Vorsitzende des Fördervereins Edinger Schlösschen, Hans Stahl, bei der gut besuchten Jahreshauptversammlung im großen Saal. Noch ist der Saal im ersten Obergeschoss eine Baustelle, doch im Herbst, so hofft man, soll er sich wieder im alten Glanz präsentieren.

Zunächst gedachten die Mitglieder des kürzlich verstorbenen Bernhard Jung. „Aus Anlass seines 90. Geburtstages verzichtete er damals auf Geschenke und bat stattdessen um Spenden zugunsten des Schlössel-Fördervereins“, erinnerte Stahl: „Eine noble Geste die etliche Nachahmer gefunden hat.“ Nach dem Gedenken an den „Freund und Förderer“ ging man zur Tagesordnung über.

„Der im Januar vor zwei Jahren eingetretene Wasserschaden hat uns schwer beschäftigt“, gestand Stahl. „Was passiert mit dem durchnässten Holzboden sowie der darunterliegenden beschädigten Stuckdecke und kommt die Versicherung für den Schadensfall auf, habe man sich gefragt. Förderverein, Denkmalamt, Bürgermeister und Restauratoren seien rasch übereingekommen, „alles, was möglich ist, zu erhalten.“ „Die Stuckdecke unter uns ist seit einigen Monaten komplett restauriert und so schön wie nie zuvor“, freute sich der Fördervereins-Chef und fügte an: „Auch der Fußboden ist ausgebessert und die Folgeschäden komplett beseitigt.“

Er dankte dem Bürgermeister und dem kommunalen Bauamt für die unkomplizierte Zusammenarbeit, zumal finanziell „äh bissel was an der Gemeinde hängengeblieben ist.“ Eine größere Reparatur sei auch auf dem Dach fällig gewesen. „Es hat reingeregnet, das Wasser ist durch die Küchendecke getropft, außerdem musste ein Dachfenster erneuert werden“, listete Stahl auf. Er dankte den „stillen Helfern“ und Handwerkern sowie Georg Mildenberger, der als „guter Geist rumschwirrt“ und sich um die Blumen kümmert.

Vorstandsmitglied Inge Honsel sprach von vielen interessierten Besuchern am „Tag des offenen Denkmals“ und erwähnte die weihnachtliche Lesung mit Dr. Inge Herold im großen Saal als Jahres-Highlight. „Alles läuft geregelt, die Mieter sind ordentliche Leute und zahlen ihre Miete – das war nicht immer so“, stellte Michael Bangert fest. Zusammen mit seinem Vater Hans kümmert er sich um die Mietverwaltung. „In diesem und im nächsten Jahr sind jeweils 30 000 Euro im Haushalt der Gemeinde zur Renovierung des großen Saals eingestellt“, ließ Stahl wissen. Damit die Deckenarbeiten in einem Zug durchgeführt werden können, will sich der Förderverein mit 10 000 Euro an den Kosten beteiligen. Im kommenden Jahr sollen dann zwei Toiletten auf dem Stockwerk entstehen, damit der Saal auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Kassenverwalterin Ursula Stephan informierte über die Kassenlage, wobei Mitgliedsbeiträge und Spenden im Fördervereinskonto und die Mieteinahmen zweckgebunden zur Instandhaltung des Schlössels auf dem Mietkonto verbucht werden. Kassenprüfer Bernd Grabinger bescheinigte eine einwandfreie Kassenprüfung und bat den Vorstand: „Macht weiter so.“ Das können die ehrenamtlichen Schössel-Verwalter auch im bewährten Team tun. Mit einer Ausnahme auf den Stellvertreter-Posten, wo Maryvonne Le Flecher für die ausgeschiedene Ulrike Janson nachrückte, blieb bei den Neuwahlen alles beim Alten. Wahlen

Wahlen. 1. Vorsitzender: Hans Stahl, Stellvertreter: Inge Honsel, Michael Bangert, Maryvonne Le Flecher, Kassenverwalterin: Ursula Stephan, Schriftführer: Wolfgang Ding, Pressewart: Stephan Kraus-Vierling, Beisitzer: Dietrich Herold, Beate Pfeil, Regina Strobel, Sanierungsbeauftragter: Andreas Daners. fer

Edingen: Pâtisserie-Nachmittag im Schlösschen

am 22.11.2014

Organisatorin Maryvonne Le Flécher mit einigen Köstlichkeiten (Bild: Hannelore Schäfer, MM)

Organisatorin Maryvonne Le Flécher mit einigen Köstlichkeiten (Bild: Hannelore Schäfer, MM)

Süßes Gold von Tarte bis Gugelhupf

 Text und Bild: Hannelore Schäfer (MM)

Wer dem Novembergrau entfliehen und dem Leben mal wieder die Schokoladenseite abgewinnen wollte, der konnte dieser Tage in der Schlössel-Patisserie einen Nachmittag wie „Gott in Frankreich“ verbringen. Nachdem man im vergangen Jahr zum englischen Afternoon-Tea eingeladen hatte, wurde dieses Mal die französische Lebensart gepflegt. Organisatorin Maryvonne Le Flecher und ihr Helferteam sorgten mit diversen Köstlichkeiten aus dem eigenen Backofen und einem entsprechendem Rahmenprogramm für französisches Flair in den historischen Mauern.

„Selbst die adligen Schlossbesitzer von einst würden sicher gerne an dieser Tafelrunde teilhaben. Auch wenn es heutzutage bei uns etwas bürgerlicher zugeht.“ Mit diesen Worten „adelte“ Fördervereins-Vorsitzender Hans Stahl die erwartungsfrohe Gesellschaft, die in den drei Räumen des Fördervereins-Domizils Platz genommen hatte. Zwischenzeitlich duftete der Kaffee, und die nostalgischen Sammeltassen warteten auf ihren Einsatz.

Auf Kuchenplatten und Gebäcktellern stapelten sich die Leckereien. Tartes, die flachen französischen Kuchen, Elsässer Gugelhupf, Bärentatzen und Katzenzungen, Törtchenkunst zum Anbeißen sowie kleine Gläschen mit Mousse au chocolat.

„Wir haben uns eine Woche vor der Schlössel-Veranstaltung zum Vorkosten und zur Absprache, wer, was macht getroffen“, erzählte Maryvonne Le Flecher und fügte an: „Mir macht backen Spaß und ich teile diese Leidenschaft gerne mit anderen.“ Neben dem kulinarischen, kam auch das literarische und musikalische nicht zu kurz. So lasen Brigitte Häusle, Margarete Neusser, Jean-Michel Mortz und Maryvonne Le Flecher aus Werken französischer Autoren. Gitarren-Barde Stephan Kraus-Vierling entführte die Besucher musikalisch auf die Champs Elysees – und mit der Feststellung „Mannem is schee“ auch wieder zurück. „Ein toller Nachmittag, Kaffeehaus-Kultur pur, wenn ihr nur öfter das Schlössel-Cafe öffnen würdet“, kommentierte Stephanie Schöfer die kulinarisch-literarische Veranstaltung, deren Erlös aus in den Erhalt des Schlösschens fließt.

Illumination im Jubeljahr

Die ehrenamtlichen Schlossverwalter sind für jeden Euro dankbar, der zusätzlich in die Kasse kommt. „Vor kurzem wurde die Heizung im Haus erneuert, jetzt müssen wir erst mal wieder ansparen, bevor es weitergeht“, bemerkte Hans Stahl im Gespräch mit dem „MM“. Rechtzeitig zum großen Jubiläumsjahr 2015 werde das Schlösschen illuminiert. Man wolle den früheren Adelssitz ins rechte Licht setzen, damit er auch von Ortsunkundigen wahrgenommen wird. fer

erschienen am Samstag, 29.11.2014

***

Edingen-Neckarhausen: Offene Denkmäler in der Gemeinde locken viele Besucher an

Vom Schloss zum Schlössel und zurück

Von unserer Mitarbeiterin Hannelore Schäfer

Schloss und Schlössel haben sich am Denkmaltag in der Gunst der Besucher nicht gegenseitig den Rang abgelaufen, im Gegenteil: Viele nutzten die Gelegenheit und verbanden ihren Besuch der neugestalteten Dauerausstellung der Grafen von Oberndorff im Neckarhäuser Schloss mit einer Stippvisite im Edinger Barock-Schlössel. Dort lockte neben dem Kulturellen auch das Kulinarische. Das reichhaltige Kuchenbüffet im eintägigen „Schlössel-Cafe“ ließ jedenfalls keinen Wunsch offen.

Die neugestaltete und um einige Exponate erweiterte Ausstellung der Grafen-von-Oberndorff (wir berichteten) erwies sich insbesondere zu der angekündigten Führung als wahre Zugnummer. Dr. Hildegard Schneider, die 93-jährige Nestorin der ehrenamtlichen Denkmalpfleger der IG Museum, hatte knapp 40 Besucher im Schlepptau. Und da sich ein Stau an weiteren Teilnehmern anbahnte, führte Margot Friedrich in umgekehrter Reihenfolge durch die Räume.

Das interessierte Publikum fand sich aber auch abseits der Führungen anhand des Info-Materials und der bereitstehenden Aktiven der IGM bestens zurecht und war voll des Lobes. „Die Ehrenamtlichen haben die Ausstellung ganz toll arrangiert und mit Liebe und Fleiß konzipiert“, bemerkte beispielsweise Eberhard Klass. Dank der Neugestaltung der Räume sei auch das Inventar ansprechender geordnet worden, lobte die Mannheimerin Ulrike Wirth, deren Neckarhäuser Großvater die gräfliche Familie noch gut gekannt hatte. Aus Ilvesheim waren Wiltraud und Walter Wolff gekommen, die sich „das Stück regionaler Geschichte“ nicht entgehen lassen wollten. „Ich bin extra wegen des Puppenhauses da, das ich in der Zeitung abgebildet sah,“, bekannte Christel Mohlzahn aus Seckenheim. Nicht nur der Ladenburger Hobby-Ahnenforscher Dr. Werner Fuchs bedauerte, dass die Ausstellung so selten zugänglich sei. „Nach Voranmeldung werden Führungen angeboten“, empfahl Schneider.

Etliche der Besucher traf man wenig später im Edinger Schlössel wieder. „Heute gibt es Kaffee und Kuchen“, hatte man per Aushang am großen geschmiedeten Eingangstor angekündigt. Und dieses Angebot wurde gerne genutzt. Zumal die 35 gestifteten Kuchen buchstäblich allererste Sahne waren und gegen Spende über die Theke gingen. Gut 40 Teilnehmer hatten auch an einem Rundgang teilgenommen, der von Dietrich Herold sachkundig angeführt wurde. Nach dem Start im ehemaligen Garten der Schlosswirtschaft beleuchtete er die Besonderheiten des Schlössels aus dem jeweiligen Blickwinkel der Betrachter.

Herold schilderte die Entwicklung des ursprünglichen Gutshofes, der seine heutige Ausprägung im 18. Jahrhundert nach dem Erwerb durch den Freiherrn von Castell erhalten hatte. Dank des schonenden Umgangs der letzten Schlossbesitzer, der Familie Geißler, mit dem architektonischen Kleinod seien die wertvollen Stuckdecken sowie die Parkettböden bis heute erhalten.

„Es gibt noch viel zu tun“

Der Fördervereins-Vorsitzende Hans Stahl freute sich über die gute Resonanz, die ehrenamtliche Unterstützung und das passable Wetter. Letzteres nutzte auch „Schlossgärtnerin“ Maryvonne LeFlécher, um die Gewächse in dem von ihr und Monika Haas angelegten Kräutergarten zu erklären. „Es gibt im Schloss viel Schönes zu entdecken, aber es gibt auch noch viel zu tun“, schrieb eine Besucherin ins Gästebuch. Der Förderverein als Schlossverwalter teilt diese Einschätzung.

Quelle: Mannheimer Morgen Dienstag, 16.09.2014

Edingen: Der 93-jährige Bernhard Jung erzählt beim Schlössel-Verein unterhaltsam über die Firma Schoeps

„Industriegeschichte“ aufgearbeitet

Von Hannelore Schäfer

„Unser Schlösschen verfügt über schöne Räume und es ist selbst ein Ort der Geschichte.“ Mit diesen Worten hieß der Vorsitzende des Fördervereins Edinger Schlösschen, Hans Stahl, zahlreiche Interessierte zum „Schoeps-Abend“ willkommen. Mit dem in Neu-Edingen ansässigen Betrieb, der zwischenzeitlich verschiedene Nachfolgefirmen hatte, arbeitete man auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise ein wichtiges Kapitel der Edinger „Industriegeschichte“ auf.

„Auf Anregung unseres Pressewarts, Stephan Kraus-Vierling, der später auch eine kleine Bilderreise durch die Schoeps-Geschichte zeigen wird, haben wir diese Reihe ins Leben gerufen“, bemerkte Hans Stahl.  Ziel sei es Zeitzeugen zu befragen,  die  “etwas  zu sagen haben“. In der ersten Runde, so Stahl, wolle man Industriebetriebe beleuchten, die für den Ort bedeutsam waren.

„Gummipost“ überlassen.

Mit dem 93-jährigen Bernhard Jung, komme ein alter „Schoeps’ler“ zu Wort, der mit dem Betrieb über Jahrzehnte verbunden war. Er habe dem Schlössel-Verein auch die über Jahre hinweg gesammelte „Gummipost“ überlassen. Dabei handelt es sich um die Werkszeitschrift der Firma, die zu Lebzeiten des Firmengründers Fred-Joachim Schoeps herausgeben wurde. Der Firmenpatron, der auch für seine soziale Einstellung gegenüber seinen Mitarbeitern bekannt war, starb 1959 plötzlich bei einer Studienreise nach Afrika.

Um den Zuhörern einen Eindruck von der wirtschaftlichen Bedeutung der ehemaligen Firma Schoeps, als einer der größten Arbeitgeber am Ort zu vermitteln, las Jung aus einer Jubiläumsschrift, die 1963 aus Anlass des 25-jährigen Firmen-Bestehens erschien.

Begonnen hatte Schoeps in einem  Nebengebäude der ehemaligen  Gaststätte  „Zur Sonne“ in Friedrichsfeld als Großhandelsgeschäft. Mit der Erkenntnis, dass es zweckmäßiger wäre, die gehandelten Artikel selbst herzustellen, erwarb  der Firmengründer bald darauf das Gelände in Neu-Edingen. Es ist auch heute noch Produktionsstätte, inzwischen für „Cooper Standard“.

Die Hauptfabrikation in Schoeps Anfangszeiten lag bei Schläuchen. Der Betrieb entwickelte sich bald zum größten Schlauchhersteller im damaligen „Reichsgebiet“. Nach dem Zusammenbruch 1945 war zunächst unklar was die Firma künftig herstellen wolle, da sämtliche bisherige Lieferungen überwiegend für die Wehrmacht bestimmt waren. Überraschenderweise konnte schon drei Wochen nach Kriegsende eine Heizschlauch-Produktion für die amerikanische Armee aufgenommen werden.

„Unsere Firma war die erste im Mannheimer Raum die nach dem Krieg wieder arbeitete“, erinnerte sich Jung. Er trat in den 1940er Jahren als Maschinenschlosser in den Betrieb ein und arbeitete sich bis zum Produktionsleiter hoch. Produzierte man zunächst Wasser-, Wein- und Fahrradschläuche lag der Fokus nach Währungsreform auf der Herstellung von Gummiwaren für die langsam wieder in Fahrt kommende Automobil-Industrie. Dass die Firma den Zug der Zeit erkannt hatte, spiegelte sich auch an den Zahlen der Belegschaft wider. Waren bei Kriegende 170 Personen bei Schoeps beschäftigt, waren es im 25. Jubiläumsjahr der Firma bereits 2421 Mitarbeiter.

Nach dem Tod des Firmengründers ging die Geschäftsleitung an dessen engsten Mitarbeiter Philipp Pfleger und sämtlich Anteile der Firma in die Fred-Joachim-Schoeps-Stiftung über, die heute noch existiert.

Quelle: „Mannheimer Morgen“ Samstag, 12.07.2014

Edingen: Förderverein für das Schlösschen zieht nach drei Jahren erste Bilanz / Vorsitzender Stahl hält Sanierung nur in kleinen Schritten für möglich

An allen Ecken wartet eine neue Baustelle

Quelle: „Mannheimer Morgen“, 23.05.2014

Von unserer Mitarbeiterin Hannelore Schäfer

Die Plätze wurden knapp bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Edinger Schlösschen an seinem „Stammsitz“ in der Erdgeschosswohnung im Schlössel. „Drei Jahre sind seit der Vereinsgründung im Mai 2011 vergangen“, stellte Vorsitzender Hans Stahl bei der Begrüßung fest: Zeit für eine erste Bilanz im Hinblick auf die angedachten Aufgabenstellungen und dem Weg zu den gesteckten Zielen.

Es habe sich als richtig herausgestellt, dass man seitens des Fördervereins die Verwaltung des Schlösschens übernommen habe, sagte Stahl und fügte an: „Nur so können wir auf die Entwicklung des Hauses Einfluss nehmen.“ Die Gemeinde lasse den ehrenamtlichen Schlossverwaltern genügend Gestaltungsspielraum, es werde nicht hineingeredet, vielmehr sei ein Vertrauensverhältnis entstanden.

Die in der Anfangsphase geplante rasche Öffnung des großen Saals für größere Veranstaltungen sei zunächst einmal zurückgestellt worden, da dieser noch zum vermieteten Wohnbereich zähle. „Es tut dem Schlössel gut, dass hier Leute wohnen. Wir haben mit den Bewohnern ein sehr angenehmes Verhältnis, und das Ganze verträgt sich mit unseren Aktivitäten in der Erdgeschosswohnung“, bemerkte Stahl. Aus der einst kahlen Wohneinheit sei dank Möbelspenden eine gemütliche Vereins-Bleibe geworden, und der Förderverein habe hier buchstäblich Fuß gefasst hat. Zwischenzeitlich sei auch die Toilette im Flur renoviert und zur Besucher-Toilette für Veranstaltungen aufgemöbelt worden.

Bewährte Putztage

Als eine gute Sache hätten sich die „Putztage“ herausgestellt, sagte Stahl. Es ließen sich immer wieder neue Leute blicken, die helfen. Die „Dienstags-Treffs“, jeden zweiten Dienstag im Monat, sollen mit ortshistorischen Themen wie Fulmina, Brauereien, sowie jetzt im Juni mit der früheren Firma Schoeps, noch informativer gestaltet werden, kündigte der Vorsitzende an.

„Was die Sanierung des Schlosses angeht, können wir keine großen Sprüngen machen, wir können es bestenfalls in seinem Bestand schützen“, erklärte Stahl mit dem Hinweis: „Praktisch ist in jeder Ecke eine Baustelle.“ Größere Maßnahmen erforderten ein Konzept und die Unterstützung durch die Gemeinde als Eigentümerin des Hauses. Zum „Sanierungsbeauftragten“ wurde deshalb der bisherige Kassenwart Andreas Daners ernannt. Als einen „Riesenaufwand“ bezeichnete Stahl die Hausverwaltung, die von Hans und Michael Bangert ehrenamtlich geleistet werde. Michael Bangert wies darauf hin, dass es eine Kasse für den Verein und eine für Mieteinnahmen gebe. Durch die Vermietung erwirtschaftete Gelder würden ausschließlich zur Erhaltung des Schlosses und nicht für die Vereinsarbeit genutzt.

Der Verein schreibt laut Andreas Daners schwarze Zahlen. Neben Gerhard Henn prüft künftig Gudrun Maßholder die Kasse. Die bisherige Kassenprüferin Ursula Stefan wurde per Vorstandsbeschluss zur Kassiererin ernannt. Geld in die Vereinskasse gespült haben auch die sehr gut besuchten Veranstaltungen im Schlössel, über die Inge Honsel informierte. „Heute dürfen mit Claudia Konrad, das 150. Mitglied begrüßen“, hieß Hans Stahl die Ehefrau von Michael Bangert als Neuzugang willkommen.

*****************************************************************************************

Ein Schrank voll mit Lokalhistorie

Der „Orts- und Regionalgeschichtliche Bücherschrank“ steht im Schlösschen in Edingen; jetzt will er mit viel Lesestoff für die Mitglieder und Gäste gefüllt werden. Ein Mitglied des Fördervereins hat den stilvollen Schrank mit zwei Glastüren gestiftet und ihn zusammen mit einem Freund, ebenfalls aus den Vereinsreihen, auch selbst ins Schlösschen transportiert.

 Und das war ein ganz schöner Akt. Denn das gute alte Stück ist noch echte Wertarbeit, entsprechend langwierig war das Ab- und wieder Aufschlagen. Im „Kieser-Zimmer“, benannt nach den dort gezeigten Bildern des unvergessenen Edinger Ortsmalers, fand der Schrank seinen neuen Platz.

„Nun wollen wir in ihm möglichst zügig eine kleine Präsenz-Bibliothek über die Geschichte von Edingen, Neckarhausen und Neu-Edingen, über unsere Doppelgemeinde wie auch über die Kurpfalz und den Rhein-Neckar-Raum einrichten“, berichtet der Verein. Einige Bücher sind bereits vorhanden, darunter Ortschroniken, Vereins-Festschriften oder andere Bände zu orts- oder regionalhistorischen Themen.

 Dauer-Leihgaben gesucht

„Über weitere Spenden oder Dauer-Leihgaben würden wir uns sehr freuen“, betont der Förderverein, denn: „Sicher schlummert bei so manchem Verein, bei Kirchengemeinden oder anderen Körperschaften wie auch bei der Gemeinde im Rathaus und im Schloss noch einiges an Restbeständen – zu schade für Karton und Keller.“ Im Schlösschen-Bücherschrank werden die Chroniken und Festschriften allen Besuchern zur Verfügung stehen, sei es zum freien Schmökern oder zum gezielten Nachschlagen bei Fragen und Recherche. Allerdings sollen die Bücher im Sinne der Präsenz-Bibliothek stets im Schlösschen bleiben.

Das nächste „Zweiter-Dienstag-im-Monat-Treffen“ findet am Dienstag, 11. Februar, um 20 Uhr statt. An diesem Abend will der Vorstand einen Rückblick aufs erste Jahr der Schlösschen-Verwaltung durch den Förderverein geben. Seit Januar 2013 gehört die Verwaltung des Schlösschens zur Aufgabe des Fördervereins. Die Erdgeschosswohnung wird für eigene Veranstaltungen genutzt. hje/zg

Quelle: „Mannheimer Morgen“ –  Freitag, 31.01.2014

*****************************************************************************************

Edingen: Gespräch mit Kurt Geißler, dem Miteigentümer des Schlösschens / Falls es die Gemeinde nicht kauft, soll das Barockgebäude versteigert werden:

„Da kam man sich als Kind verloren vor“

Klaus Backes

Kurt Geißler lag das Edinger Schlösschen schon immer am Herzen. Deswegen möchte der Mitbesitzer des historischen Gebäudes auch, dass es in die Hand der Gemeinde kommt. Da wäre es seiner Auffassung nach am besten aufgehoben.

Lebhaft erinnert er sich noch daran, wie sein Vater Konrad Geißler das Haus 1935 gekauft hat: „Es war ganz heruntergekommen, praktisch ohne Verputz. Wir mussten alles herrichten und dafür viel Zeit investieren.“ Der Einzug bedeutete für den damals Siebenjährigen eine große Veränderung: „Ich bin im Edinger Ortskern, in der Konkordiastraße 19, geboren und habe dort die ersten Jahre meines Lebens verbracht. Der Umzug ins Schlössel war natürlich wegen der großen Räume eine Verbesserung. Man war auch nicht so eingeengt wie im Ortskern“, so Geißler. Aber: „Es war auch eine fremde Welt, da kam man sich als Kind verloren vor. Die erste Nacht habe ich in einem großen Saal geschlafen. Das war so unheimlich.“

Fünf Granaten treffen

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs trafen fünf amerikanische Granaten das Haus. Eine riss ein großes Loch in die Nordostseite des Gebäudes, eine weitere durchschlug ein Fenstergitter, prallte auf den Boden der Werkstatt, explodierte aber nicht. Drei weitere krachten auf das Dach, wo sie kaum Schäden anrichteten. Dann kam die amerikanische Vorausabteilung, drei Jeeps und ein Panzer. Ein Leutnant schoss die verschlossenen Wohnungstüren auf, um nach deutschen Soldaten zu suchen.

Im Hof des Nachbargrundstücks, damals gräflicher Besitz, richteten die Amerikaner ein Nachschublager ein. Das Schlössel wurde als Offiziers-Unterkunft beschlagnahmt. Die fünf Familien kamen für ein Jahr im Nebenzimmer der Schlosswirtschaft unter. Vorhänge sorgten für ein Minimum an Privatsphäre. Um in seine Werkstatt im Schlössel zu kommen, erhielt Kurt Geißler einen Passierschein.

Denn sein Vater hatte vor dem Krieg die Glaserei in dem Gebäude eingerichtet. „Ich habe bis 1950 darin geglasert“, erinnert er sich. „Dann haben wir eine neue Werkstatt auf dem Nachbargrundstück gebaut, auf einem Teil des ehemaligen gräflichen Gartens.“ Nach Abzug der Amerikaner ging es wieder ans Renovieren: „Wir waren eine Handwerkerfamilie und haben fast alles selbst gemacht. Anders hätten wir das Schlössel nicht halten könnten.“ 1950 richteten Kurt Geißlers Schwester Renate und ihr Mann Gerhard Heß in der ehemaligen Werkstatt zuerst eine Eisdiele, später das „Schlosscafé“ ein. Es gab eine Gartenwirtschaft, und auf einer betonierten Fläche konnte getanzt werden. 1965 wurde das Café geschlossen. Seither dient das Schlösschen komplett als Wohngebäude.

Wird Gebäude versteigert?

Nun möchten Kurt Geißler und seine Geschwister das stattliche Barockgebäude an die Gemeinde verkaufen, aus Altersgründen. Da es einst den Grafen von Oberndorff gehörte, ist Kurt Geißler der Auffassung, dass es als weiteres Bindeglied zwischen Edingen und Neckarhausen dienen könnte, als historische Klammer sozusagen. Nicht zuletzt durch die verbliebene Ausstattung aus der Erbauungszeit sei es eine Besonderheit in der Region: „Wo sonst gibt es noch qualitätvolle Stuckarbeiten, Türen und kunstvoll gearbeitete Gitter aus der Zeit vor fast 250 Jahren?“

Und falls die Gemeinde kein Interesse an einem Ankauf hat? Kurt Geißler: „Dann will ich das Schlösschen versteigern lassen.“

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 02.09.2009